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Freifunk Köln, Bonn und Umgebung

VPN-Server im Eigenbau

Frank Nord, 22 September 2017

Die Technik ist da - die Situation ist verfahren

Die Serie Supernodes sind Nodes erklärt was Nodes und Supernodes ausmacht. Einige technische Details sind recht tief und kompliziert. Aber Du weißt nun, wie die verschiedenen Dinge ineinander greifen können. Du hast gesehen, wie ein Freifunk-Netz aussehen kann. Und jetzt?

Die KBU-Community hat Gluon eingeführt - ein Standardprodukt wird nun eingesetzt. Durch den Fokus auf Wachstum wurde das Netz überlastet.

Im Rahme der Öffentlichkeitsarbeit vermarktet die KBU-Community den Internet-Zugang im Freifunk Netz - für Bäckereien, Organisationen oder selbst für die komplette Bonner Stadtverwaltung. Schnelle und zuverlässige Internet-Zugänge werden suggeriert. Eine de-facto Anbieter-Verbraucher-Beziehung wird geschaffen. Nur wenige Kunden haben ein Interesse daran, sich in die Community einzubringen, Dinge zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

Eine Note zu Freifunk

Im Januar 2015 verfasste kinolux seinen Blog-Artikel Eine Note zu freifunk. Es entstand eine lebhafte Diskussion darüber, was Freifunk eigentlich ausmacht. Er schreibt:

[…] Im Westen der Republik sehe ich, dass freifunk Vereine und ISP Konstrukte entstehen, die leider nicht den Bau freier Netzwerke fördern, sondern selbst offiziell als Anbieter von Internetzugängen agieren. Die Ideen des Teilens und der Allmende gehen damit verloren.

Es ist paradox, da die freifunk Idee nicht nur dem Namen nach für “freies funken” steht, sondern auch konzeptionell niemals für ein reguliertes, zentralisiertes Gratis-Hot-Spot-Netz mit integriertem Vereins- oder ISP-Betrieb stand. Das geht nicht gut zusammen und darüber muss in der freifunk Community dringend geredet werden.

Ich möchte darum alle Freifunkerinnen dazu auffordern miteinander zu sprechen, wie wir unsere Netze gestalten, ob wir freie, offene, unregulierte und flache (auch sozial flache) Strukturen bauen oder ob wir mit einer Servicementalität von kommunalen Internet Lieferanten zu Werke gehen. Freifunk kennt keine Kunden und sollte niemals mit dem Lieferversprechen eines Providers konzeptioniert und betrieben werden, denn neben der Idee des hierarchielosen und freien “people owned” Netzwerkes ist freifunk auch eine soziale Community idee, die so dezentral und führungslos funktioniert, wie der im Mesh benutzte algo. Und so wie die Nodes die Informationen über Routen und erreichbare Knoten austauschen, sollten die freifunkerinnen auch ihr Wissen miteinander teilen. Echtes freifunk ist darum auch nicht durch externe, einzelne Eingriffe abschaltbar.

Wir müssen uns klar sein, dass die ISP Lösung nur bei der Umgehung der Störerhaftungsfrage half und ohne die Störerhaftung der freien Funkidee sogar hinderlich werden kann. Sollte die Störerhaftung für private, offene WLANs fallen, so müssen umgehend alle juristischen und technischen ISP-konstrukte im freifunk beseitigt werden.

Ein ideales freifunk Mesh besteht aus autonomen, vom User selbstverwalteten Routern auf jedem einzelnen Fensterbrett einer Strasse und eines Kiezes; eine Meshwolke, die die Menschen lokal vernetzt – eine alternative offene Infrastruktur im urbanen Nachbarschaftsraum. Alle darüber hinaus von einzelnen angebotene Dienste und Gateways innerhalb dieses Mesh’ sind quasi Extras, die sich das offene freifunk Netz lediglich als Transportnetz zu nutze machen. Darum kann auch auf das schon erwähnte Pico Peering Agreement im freifunk an keiner Stelle verzichtet werden.

Wer jetzt die freifunk Idee und ihren Namen benutzt, um regulierte und zentralisierte Hot-Spot Wolken zu bauen oder lokale ISP-Instanzen zu gründen, der verschenkt fahrlässig zuvor mühsam erkämpften politischen und sozialen Raum, den die freifunk Community mit ihrer Idee immer schon definiert hatte. Lokale, selbstverwaltete und nicht-kommerzielle ISPs sind wichtig und wünschenswert. Allerdings haben sie bezüglich ihres Designs und ihrer Funktion nichts mehr mit der ursprünglichen freifunk Vision zu tun. freifunk kann per Definition niemals ISP sein. […]

Lasst uns wieder unregulierte Netze bauen, freie freifunk Netze.

Frefiunk vs. Internet Service Provider (ISP)

Kinolux unterscheidet zwischen freifunk und lokalen, selbstverwalteten und nicht-kommerziellen ISPs ohne zu werten. Entsprechende ISPs seien „wichtig und wünschenswert“. Er argumentiert, dass „Freifunk […] niemals mit dem Lieferversprechen eines Providers konzeptioniert und betrieben werden [sollte]“.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Freifunk kann aufgrund seiner sozialen Struktur nicht das Lieferversprechen eines Providers erfüllen. So zielt die technische Konzeption nur darauf, ein Mesh aus „autonomen, vom User selbstverwalteten Routern“ zu bauen. Auch das Netz kann kein Lieferversprechen erfüllen.

Versteh kinolux Beitrag nicht als Vorwurf falschen Freifunk zu machen. Er zeigt auf, wie sich Freifunk-Communities von ISPs unterscheiden. Er bezieht sich jedoch auf Freifunk, wie er es „Anfang der 2000er Jahre“ erlebt hatte.

Kinolux Artikel hatte Sprengkraft: Viele, die sich mit Freifunk identifizierten wurden mit der Meinung konfrontiert, dass ihre Projekte kein Freifunk seien. Hier liegt der große Fehler in kinolux Artikel: Viele fühlten sich attackiert und verteidigten ihre Projekte reflexartig. Die Freifunk-Community war gespalten; ein großer Teil fühlte sich angegriffen und ausgeschlossen. Dabei richtet sich die Aufforderung zur Diskussion insbesondere an sie.

Heute führt der Freifunk Rheinland e.V. immer noch Freifunk im Namen, obwohl er ein lokaler, selbstverwalteter und nicht-kommerzieller ISP ist. Viele, die dort mitarbeiten identifizieren sich mit Freifunk und bekennen sich dazu. 10 Jahre später ist Freifunk etwas anderes. Viele in der Community haben völlig verschiedene Vorstellungen.

Ich finde es schade, dass es nicht gelang Freifunk klarer von lokalen, selbstverwalteten und nicht-kommerziellen ISPs abzugrenzen.

Ist die KBU ein Internet Service Provider?

Als Projekt des Chaos Computer Club Cologne (C4) e.V. kann die KBU kein ISP sein. Eine Tätigkeit als ISP entspricht nicht dem Vereinszwecke des C4. Falls der C4 als Konkurrenz zu etablierten Providern agiert, so gefährdet er seine Gemeinnützigkeit.

Aber: Die KBU vermarktet Internetzugänge. Der Internetzugang wird beworben (siehe Foto) und auf der Mailingliste eingefordert. KBU wirbt aktiv für Hotspots in Bäckereien oder in anderen Unternehmen.

Hier entstehen Konflikte. Freifunker, die ihr Netzwerk bauen möchten werden mit dem Lieferversprechen anderer konfrontiert. Sie werden genötigt, das Werbeversprechen entweder zu erfüllen oder das Freifunk-Netz wegen Überlastung nicht weiter verwenden zu können. Sie fühlen sich überlastet, da sie immer mehr Kunden versorgen müssen. Aus freien Funkern werden Administratoren. Es kommen kaum neue hinzu: Es ist nicht attraktiv eine kommerzielle Dienstleistung für lau zu erbringen und sich daran aufzureiben. Alternative technische Konzepte werden in weiten Teilen der Community nur dann akzeptiert, wenn sie die Servicequalität verbessern und das Werbeversprechen einhalten.

Einige möchten jedoch Netze bauen, die Vorteile eines Meshes aus autonomen, vom User selbstverwalteten Routern auf jedem einzelnen Fensterbrett einer Straße und eines Kiezes haben.

Die Diskussion starten

Ich stimme kinolux ohne Vorbehalt zu. In allen Punkten. Freifunk kann kein lokaler, selbstverwalteter und nicht-kommerzieller ISP sein.

Wofür steht die KBU? Zwei Vorschläge:

  1. Hotspot-Netz mit Internet
  2. Dezentrales freifunk Mesh-Netz

Wenn ihr ein Hotspot-Netz haben wollt, dann werdet ISP. Stoppt Broadcasts auf den Supernodes und damit die Kommunikation unter den Accesspoints und Clients. Löst fastd nach und nach durch L2TP ab. Konfiguriert DHCP-Relays auf den Hotspots und nehmt die L2TP-Verbindungen aus den Layer-2 Segmenten mit Wifi-Uplinks. Bezahlt eure Admins anständig.

Andernfalls nehmt beispielsweise die Supernodes-Sind-Nodes-Artikel als Blaupause für Meshes aus autonomen, selbstverwalteten Routern. Released nicht weiter Gluon Off-the-Shelf. Entwerft ein Vorgehen, wie Neulinge ihre OpenWRT-Router konfigurieren können.

Die Diskussion ist überfällig.

Ich möchte unregulierte Netze, freie freifunk Netze bauen - Und Du?